31.12.2006
Lesezeit: etwa 2 Minuten
Saddam Hussein - Vom Diktator zum Märtyrer?
»
Zur Hauptseite wechselnWeltweit quillen die Medien über von Bildern des ermordeten Saddam Hussein, einem Trend, den wir uns allerdings aus Gründen des guten Geschmacks nicht anschließen werden.
Am heutigen 30. Dezember wurde der ehemalige irakische Staatspräsident nach einer Prozessfarce, die an das Nürnberger Tribunal erinnert, gehenkt. Dabei sprach er das islamische Glaubensbekenntnis, als er erhobenen Hauptes ohne um sein Leben zu betteln in den Tod ging. Noch vor seiner Hinrichtung entbrannte ein Streit zwischen Hussein und seinen Henkern, weil dieser sich weigerte sich die Augen verbinden zu lassen. Husseins Anwälte hatten noch bis vor Kurzem versucht einen Aufschub der Todesstrafe vor dem Bezirksgericht in Washington zu erreichen - ein weiteres Indiz dafür, dass der Irak nurmehr eine Marionette der amerikanischen Ostküste ist -, was jedoch scheiterte.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass Hussein wegen der angeordneten Ermordung von 149 schiitischen Männern als Vergeltungsmaßnahme verurteilt wurde, während solche Zahlen für etwa Israel oder die USA nicht einmal eine Randbemerkung wert wären, starben im Irak seit dem Beginn der Besatzung immerhin 650.000 Menschen an den Folgen des Krieges. So ist es kaum verwunderlich, dass sich die meisten Iraker nach „ihrem“ Saddam zurücksehnen.
Dass der Prozeß gegen Hussein „nur“ auf diesen einen Vorfall gründete, und er auch nur dafür verurteilt wurde, liegt eventuell an einer Aussage von Stephen Pelletiere, seines Zeichens Professor an der Kriegshochschule der US-Armee:
“Als hochrangiger politischer Analyst der CIA, zuständig für den Irak während des Irak-Irankrieges von 1988 bis 2003, weiß ich um die Dinge genau Bescheid. …… Darüber hinaus wurde mir die Aufgabe zuteil, 1991 eine von der Armee eingeleitete Untersuchnung zu führen…… Die geheime Version dieses Berichtes umfaßt ausgiebig die Halabaja-Affaire. … Über die Vergasungen von Halabaja wissen wir so viel, daß es zu Einsatz von Giftgas zwischen Irakern und Iranern in der Schlacht um die Stadt kam. Die Iraker setzten dabei Senfgas ein. Der Zustand der toten Kurden deutete allerdings darauf hin, daß sie einem Blutgas zum Opfer fielen, also ein auf Cyanid gestütztes Gas…… Der Untersuchungsbericht stellt fest, daß es iranisches Gas war, das dort zum Einsatz kam …“ (New York Times, 31. Januar 2003)
In den bundesdeutschen Medien wie etwa dem Stern kann sich indes nicht entscheiden, ob die Iraker nun gejubelt, oder Rache geschworen haben. Auch sprachen die Medien immer wieder davon, dass Hussein im April 2003 in einem Erdloch aufgespürt wurde und zeigte die passenden Bilder. Offenbar war es der bundesdeutschen Journaille allerdings abermals entgangen, dass im Hintergrund gelbe Datteln blühen, welche zu dieser Jahreszeit nicht wirklich blühen. Naja, aber wer auf dem Mond Wind vorfindet der eine Fahne medienwirksam wehen lässt, der kann auch Datteln zu jeder Jahreszeit blühen lassen.
Lachten die Aggressoren seinerzeit noch als Hussein ihnen die „Mutter aller Schlachten“ versprach, wächst derzeit immer mehr die Erkenntnis, dass der Krieg gegen das kämpferische irakische Volk nicht gewonnen werden kann. Eine Tatsache an der auch die Ermordung Husseins nichts ändern wird.
Quelle: Der Nonkonformist

