30.07.2010
Lesezeit: etwa 3 Minuten
Das Buchenwalder Sommerloch
»
Zur Hauptseite wechselnZugegeben, als die Meldung vom Angriff auf die Netzseite der „Gedenkstätte“ Buchenwald durch die Agenturen lief, konnte man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, sind doch Seiten von nationalen und sozialen Wahrheitsaktivisten regelmäßig Ziel und Opfer diverser Cyber-Attacken. Besonders lächerlich ist der Fakt, dass von einer Schändung der Netzseite geschrieben wurde. So stellt es eben bei Gedenkstätten, die zum tagtäglichen Kniefallritual unbedingt dazu gehören, kein „Defacement“ mehr dar, sondern wird offensichtlich einer Schändung gleich gesetzt. Doch langsam…
Betrachtet man sich den vorliegenden Sachverhalt ein wenig näher, dann wirft dieser Fall mehr Fragen als Antworten auf. Das Hauptaugenmerk der Betrachtung liegt aber ganz klar in der Frage, wem diese kurzzeitige Veränderung des Inhaltes von Buchenwald.de nützt.
Schon am Tag der Schändung meldeten sich verschiedene Politiker zu Wort und übten sich im gewohnten Betroffensein. Auch die üblichen Forderungen wurden gebetsmühlenartig wiederholt und jeder Politiker im Land exerzierte die üblichen Reflexreaktionen. Gerade die Politiker der Thüringer Blockparteien wurden nicht müde für ein nochmaliges Überdenken der gerade stattfindenden Extremismusdiskussion zu werben und darauf hinzuweisen, dass doch der Rechtsextremismus die wesentlich größere Gefahr für das friedliche Miteinander darstelle, womit sie wiederum geschickt vom erstarkenden Linksextremismus ablenkten.
So musste man auch am heutigen Tag immer weitere Wortmeldungen der Gutmenschen vernehmen und der Fakt, dass das Bundeskriminalamt mittlerweile die Ermittlungen übernommen hat, setzt der ganzen Sache noch die Krone auf. Während bei Netzseiten des außerparlamentarischen Widerstandes 60jährige Streifenpolizisten die Ermittlungen übernehmen, werden bei Buchenwald.de keine Kosten und Mühen gescheut um Ermittlungsergebnisse zu Tage zu fördern. Ob es hilft…?
Bislang existiert bei keiner Nachrichtenagentur ein Bildschirmfoto der veränderten Seite, lediglich die editierten Texte „Brown is beautiful” und “Wir kommen wieder” wird durch die Systemmedien kolportiert. Wieso aber hinterlässt ein Hacker, der in der Regel über ein hohes Wissen und Intelligenz verfügt, nur zwei solche platten Parolen? Selbst wenn das Ganze dann noch mit einem Hakenkreuz oder ähnlichen garniert wurde, erweckt die Vorgehensweise nur den Eindruck, dass hier die Spur auf Täter gelegt werden sollte, die in Wirklichkeit nichts mit der Tat zu tun haben. Passend hierzu kommt das Geheule des Leiters der Gedenkstätte am Ettersberg, Volkmar Knigge, der sich nicht nur erschüttert über die neue Qualität der „rechten Gewalt“ zeigt, sondern auch keine Angaben dazu machen kann, wann die angeblich gelöschten Daten wiederhergestellt sind. Dass ein tägliches oder wenigstens wöchentliches Backup zum Geschäft eines Webhosters gehört und damit die Daten problemlos wiederhergestellt werden könnten, danach scheint auch kein Journalist zu fragen. Bleibt also auch hier die Frage, warum wurde nicht einfach das Backup aufgespielt oder wollte man vielleicht damit einfach nur ablenken und so der Firma „werkraum.media“, welche das Netzangebot auf buchenwald.de programmierte, Zeit verschaffen um die Sicherheitslücke zu finden? Oder hat gar die Firma Hetzner, bei der Buchenwald.de gehostet ist, kein Backup der entsprechenden Daten?
Wie man also sieht, bleibt einiges an Fragen offen und wir können uns, sofern nicht gerade Kachelmann entlassen oder auf der Loveparade 21 junge Menschen zu Tode gequetscht werden, die restliche Zeit des Sommerlochs damit füllen und hoffen, dass das BKA schnell die Täter ermittelt. Hoffen wir nur, dass es sich nicht so wie im Auschwitzer-Schilderdiebstahl um gewöhnliche Kriminelle handelt, denn dann wäre die politische Brisanz nicht mehr gegeben und keiner könnte finanzielle Vorteile geltend machen.
Quelle:
http://www.fn-jena.de