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26.07.2010

Lesezeit: etwa 3 Minuten

Todesfalle Love-Parade – Niemand hat die Schuld

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Duisburg / NRW: Wie gestern bereits berichtet, gab es am Samstag auf der sogenannten Love-Parade eine Massenpanik, bei der es 19 Tote und etwa 342 Verletzte gab. Zur Panik kam es in einem Tunnel, der vom Bahnhof zum Veranstaltungsgelände führte, das bereits völlig überfüllt war.

Polizeigewerkschafter Wolfgang Orschek erklärte dazu gegenüber BILD:
„Der Veranstalter hat 500.000 Menschen angemeldet, wir haben sogar mit 1,5 Millionen gerechnet. Das Gelände ist groß genug für 250.000 Menschen. Wer diese Zahlen kennt musste wissen: Das passt nicht!“
Angesichts von soviel polizeilicher Weisheit staunt man eigentlich nur, weshalb man das nicht vorher berücksichtigt und entsprechende Maßnahmen getroffen hat.

Dabei warnte die Feuerwehr bereits schon im Oktober 2009 vor möglichen Komplikationen im späteren Unglückstunnel.

Die Verantwortlichen für die Love-Parade, wie auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der am Samstag von Leibwächtern vor den Trauernden geschützt werden musste, als er sich an der Unglücksstelle zeigte, weisen derzeit alle Verantwortung von sich. Die schönste Ausrede kommt vom Duisburger Stadtoberhaupt, das dazu bemerkte:
„Es lag nicht am Sicherheitskonzept, das nicht gegriffen hat, sondern wahrscheinlich an individuellen Schwächen.“

Andere wollen dies jedoch nicht so einfach auf sich beruhen lassen, so zum Beispiel Bochums früherer Polizeipräsident Thomas Wenner, der bereits ankündigte, den Duisburger Oberbürgermeister, leitende Beamte der Stadt und die Veranstalter der Love-Parade anzeigen zu wollen.
Wenner hatte im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass die seinerzeit für Bochum geplante Love-Parade abgesagt werden musste. Gegenüber der Presse sagte er:
„Ich wollte die Sicherheit nicht opfern auf dem Altar der Spaßgesellschaft. Genau das ist nun geschehen.“

Bezeichnenderweise fehlt es der Tragödie nicht an allerlei medialer Possenreißerei. Während die Boulevardpresse schier in einer Flut von Krokodilstränen ob der Opfer ertrinkt, wertet man jeden kritischen Blick auf Veranstaltungen dieser Art als solche, als Verhöhnung der Opfer.
Für BILD muß in diesem Zusammenhang mal wieder Eva Herman als Feindbild herhalten. Grund: Sie hatte auf der Internetseite ihres Verlages das Geschehnis von Duisburg durchaus berechtigt mit Sodom und Gomorrha verglichen.
So hieß es darin u. a.:
„Wer sich die Bilder der Loveparade ansieht, glaubt in der Verfilmung der letzten Tage gelandet zu sein, wie sie in der Bibel beschrieben werden. Viele der Partygäste wirkten auch in diesem Jahr bereits vor dem Unglück wie ferngesteuert. Betrunken oder vollgekifft.“
An den letzten beiden Sätzen stießen sich die Moralapostel von BILD besonders, obwohl derlei nicht nur von der Duisburger Love-Parade, sondern von so ziemlich allen Love-Parades her bekannt ist.

Weiter hatte Herman geschrieben:
„Das Ende der Loveparade dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt sein! Eventuell haben hier auch andere Mächte eingegriffen, um dem schamlosen Treiben ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!“
Eine mutige und wahre Feststellung, der sich jeder Mensch mit Sinn für Sitte und Anstand nur anschließen kann. Der Krug geht eben so lange zu Wasser, bis er bricht.

Love-Parade-Chef Rainer Schaller zog dann am Wochenende die entsprechenden Konsequenzen und verkündete das Ende dieser Veranstaltung. Ob nur aus Respekt vor den Opfern und den Hinterbliebenen lassen wir mal dahingestellt, wahrscheinlicher sind als Gründe für die Absage wohl eher Sorgen vor kommenden Prozessen und neuen Unzulänglichkeiten.

Wird der Amüsierpöbel dieser Bundesrepublik sich durch dieses Unglück belehren lassen, künftig etwas kürzer zu treten? Wohl kaum. Dann bis zum nächsten Mal.

Was der Mensch braucht muß er eben haben.

Quelle: Altermedia

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