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03.03.2010 Er ist nun endlich frei! Oder: Ist er nun endlich frei?» Zur Hauptseite wechselnMüde und ausgelaugt trugen mich meine Beine nach einem harten Arbeitstag im März 2009 den Weg nach Hause. Es war ein Dienstag und mein Briefkasten war gefüllt mit Werbung und den typischen kostenlosen Zeitungen. Genervt sortierte ich Altpapier und Rechnungen, bis ich mittendrin einen Brief erblickte, der sich von all den anderen abhob. Denn meine Adresse war handschriftlich vermerkt. Mir war klar, weder Staatsanwaltschaft noch Gebühreneintreiber würden mir diese Art von Briefen senden. Ich drehte ihn um und erblickte als Absender den Namen „Ernst Zündel“.
Als sich im Winter 2008 das FN Jena dazu entschloss, an der großen Weihnachtskarten-Aktion für politisch Inhaftierte teilzunehmen (wir berichteten), schrieben wir das erste Mal unter anderem auch an Ernst Zündel. Wochenlang erhielten wir von den Häftlingen Dankesbriefe, Julgrüße und beste Wünsche für ein erfolgreiches Kampfjahr 2009 - leider nur nie von Ernst Zündel. Als wir nun nach bald 9 Wochen immer noch keine Rückmeldung von Ernst bekommen hatten, beschloss ich, ihm nochmals einen Brief zu senden, denn es schien mir einleuchtend, dass die Julkarten für inhaftierte Persönlichkeiten wohl des Öfteren nicht an ihrem bestimmten Zielort ankamen, sondern vermutlich eher „verloren gingen“. Dass meine Gedankengänge die richtigen waren, erfuhr ich dann am 10. März 2009, als ich zum ersten Mal einen Brief von Ernst Zündel aus meinem Postkasten fischte. Gespannt und hastig öffnete ich Ernsts Brief und als Erstes stach mir ein mit roter Farbe geschriebener Satz in die Augen, der da lautete: „Ihren Weihnachtsbrief habe ich NICHT erhalten! E.Z.“ Nun musste ich mich setzten und erfuhr beim Weiterlesen, dass Ernst nicht nur unsere Julwünsche nicht erhalten hatte, sondern dass ihm etwa 2.500 Briefe unterschlagen und hunderte von Briefen mit Geld und Marken auf dem Postweg gestohlen worden sind. Ein geeignetes Gesprächsthema mit Herrn Zündel zu finden fiel mir nicht schwer, denn schon in seinem zweiten Brief erfuhr ich, dass auch Ernst ein „Nationales Wohn- und Schulungsobjekt“ in Kanada besaß. Er und fleißige Kameraden bauten ein renovierungsbedürftiges Haus wieder auf, um es als nationales Objekt nutzbar zu machen. Auch sie mussten sich damals vielfältigen Schikanen aussetzen, bis das Haus scheinbar von Linksfaschisten am 8. Mai 1995 niedergefackelt wurde. Ernst selber war am Tattag glücklicherweise auf „Redetournee“, wie er es so schön ausdrückte, und überlebte diesen Anschlag, der nicht der Einzige bleiben sollte: Bereits am 4. September 1984 war die erste Bombe gegen Ernst Zündel hochgegangen. Diese traf allerdings nur sein Auto und seine Garage. Am 20. Mai 1995 erhielt er eine Paketbombe, die aber nicht explodierte. Ernst Zündel war im August 1958 nach Kanada ausgewandert um, wie er es sagte „ein neues Leben anzufangen.“ Mit seiner Frau zog er dann nach Montreal in der Provinz Quebec, eine Stadt mit 2,5 Millionen Einwohnern, in der sich Ernst mit einem kleinen Werbestudio selbstständig machte. 1963 reiste er mit seiner Gattin und dem ersten Sohn durch ganz Europa. Nachdem er dann zwei Jahre lang politische Wissenschaften, Architektur, Geschichte und anderes mehr studiert hatte, hielt er es nicht länger aus und machte eine knapp achtmonatige Weltreise. Sein Weg führte ihn über Zentraleuropa, England, Schottland, Norwegen, Finnland, Japan und Taiwan auch nach Israel. Nachdem er wieder gesund und munter zu Hause angekommen war, musste er die Stadt verlassen, weil eine „...kommunistisch inspirierte Revolution anfing – mit Bomben in der Stadt, mit Entführungen und Drohungen gegen mich...“. In Toronto baute er sich dann ein neues Werbestudio auf, verkaufte selbst gemachte Aquarelle und Ölgemälde. Nachdem er im Stadtinneren ein Haus erworben hatte, wurde er „...Verleger, publizierte Bücher, Schriften, machte am Ende Radio – und Fernsehsendungen und Aufklärungsvideos, die bei You-Tube zu sehen sind.“ Aufgrund dessen wurde er immer wieder dem Richter vorgeführt und im März 2000 verließ er Kanada schließlich für immer in Richtung USA. Doch schon drei Jahre später sandten ihn die Amerikaner zurück nach Kanada und er wurde an der kanadischen Grenze mit Handschellen begrüßt. Die nächsten zwei Jahre verbrachte er in Absonderungshaft, in der Zustände wie in Guantanamo herrschten. Danach wurde er nach Deutschland ausgeliefert, wo ihm in Mannheim der Prozess gemacht wurde. Seine Haftzeit in Kanada wurde nicht anerkannt und so wurde er vom Landgericht Mannheim zu fünf Jahren Haft wegen „Volksverhetzung“ und „Leugnung des Holocausts“ verurteilt. Fünf Jahre Haft für eine Meinungsäußerung. Die höchstmögliche Strafe für eine Verurteilung nach dem Volksverhetzungsparagraphen 130 StGB. Ich lernte Ernst in seinen Briefen als einen sehr interessanten und interessierten Menschen kennen. Stets fragte er, wie die politische Lage vor Ort sei, warum der NPD-Wahlkampf in Thüringen ein so bescheidenes Ende nahm und wie meine Ansicht zu all den Sachen, die in der BRD vor sich gingen sei. Heute, am Morgen des 1. März 2010, verbreitete sich die frohe Kunde: Ernst Zündel ist aus der Haftanstalt Mannheim entlassen worden. Ernst Zündel ist frei! Ich und mit mir das ganze FN Jena freuen uns herzlichst, Ernst an diesem 1. März nach insgesamt sieben Jahren Haft endlich wieder in Freiheit begrüßen zu dürfen. Auch wenn er seine Freiheit noch nicht ganz realisieren und genießen darf, denn nun wird er erstmal unter Führungsaufsicht gestellt, welche auf bis zu fünf Jahre angesetzt werden kann. Hinzu kommt. dass ihm vermutlich ein Umgang mit bestimmten Personen untersagt werden kann, aber im Falle Zündel liegen noch keine derartigen Auflagen vor. Außerdem stellt sich unweigerlich die Frage, inwiefern man heute in diesem Staat überhaupt noch von „Freiheit“ sprechen kann, empfindet man doch als kritischer Zeitgenosse die BRD selbst immer mehr als ein einziges großes Freiluftgefängnis. Wir wünschen Ernst Zündel dennoch von Herzen alles Gute und sind am heutigen Tage in Geist und Herzen bei ihm. Quelle: http://www.fn-jena.de » Zur Hauptseite wechseln |
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