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06.02.2012

Lesezeit: etwa 5 Minuten

Szenarien für Angriff auf Iran

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Die USA ziehen Kriegschriffe vor der Küste Irans zusammen. Bereits im November tauchten Gerüchte über eine Militäroperation gegen iranische Atomanlagen auf.

Kontaktloser Krieg

Falls es zu einer Militäroperation kommt, wird der Angreifer die Kampfhandlungen möglichst kontaktlos halten. Dabei werden Luftangriffe, Marschflugkörper, eine allgemeine Dominanz bei den Steuermitteln über die Truppengruppierungen bevorzugt. Zu einer Bodenoperation wird es wohl nicht kommen. Dafür haben die USA weder Kräfte noch die innenpolitische Unterstützung. Der Iran wäre ein sehr schwieriger Feind bei einer Bodenoffensive. Eine Ausnahme können vielleicht die Sondereinheiten sein, die Ziele orten und die Ablenkungsangriffe auf wichtige Objekte unternehmen. Bei einem kontaktlosen Krieg wird es sich wohl um Luftangriffe handeln. Nach dem eher miserablen Luftkrieg der französisch-britischen Verbündeten in Libyen, können die USA zeigen, was sie in diesem Jahrzehnt (seit dem Ende des Irak-Kriegs) gelernt haben.

Die US-Luftstreitkräfte haben damals begonnen, die Arsenale mit der JDAM (gemeinsame Direkt-Angriffs-Munition) auszustatten. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch mit der Schaffung integrierter Systeme für die Steuerung, Zielanweisung und Berichterstattung begonnen. Zudem wurden Drohnen zunehmend wichtiger. Ein Krieg gegen den Iran würde der NATO-Operation in Jugoslawien im Frühjahr 1999 ähneln. Die Angriffe 1993 und 1998 auf den Irak waren lediglich Vergeltungsschläge. Die Blitzkriege in der Luft 1991 und 2003 galten vor allem Zielen, die bei der anschließenden Bodenoperation wichtig waren. Im Unterschied zu Krieg gegen Jugoslawien, das politisch gebrochen werden musste, müssten das militärische und industrielle Potential Irans zerstört werden.

Die ersten Ziele würden Luftabwehrstellungen, Flughäfen und Raketenstützpunkte sein. Zu ersten Opfern der Luftangriffe werden die iranische Flotte und die an der Küste liegenden Startanlagen für Anti-Schiff-Raketen sein. Danach kann der Schwerpunkt auf wichtige Objekte der industriellen Infrastruktur verlagert werden: Ölraffinerien, Pipelines und Benzindepots. Der Iran als Ölexporteur,leidet seit mehreren Jahren an Benzinmangel. Bis zu 45 Prozent des Benzins wurden bei arabischen Ländern erworben. Die Anstrengungen 2009/2010 haben die Produktion der Ölprodukte auf das Niveau eines streng quotierten Inlandsverbrauchs gebracht. Die schwache Ölverarbeitung bremst das iranische Wirtschaftswachstum.

Bei einem Angriff würde vor allem die Infrastruktur des iranischen Atomprogramms im Visier stehen. Die Urananreicherungsanlage in Natans und der nicht fertig gebaute Reaktor in Arak könnten angegriffen werden. Der funktionierende Reaktor des Buschehr-Atomkraftwerks wird kaum angegriffen, obwohl das Kraftwerk durch die Zerschlagung der Infrastruktur vom Netz genommen werden könnte.

Eine harte Nuss

Doch das wichtigste Ziel liegt tief im Iran, nahe der heiligen Stadt Qom. Es handelt sich um die Urananreicherungsanlage in Fordu, einem riesigen unterirdischen Komplex, der vergangenes Jahr in Betrieb genommen wurde. In Fordu werden heute alle Arbeiten zur Urananreicherung auf 19,75 Prozent durchgeführt. Vorher fanden sie alle in Natans statt. Doch die Anlage in Qom war weniger geschützt als die Bunkeranlage in Fordu. Israel beklagte sich regelmäßig bei Washington wegen der mangelnden bunkerbrechenden Geschossen und deutete darauf hin, dass sie gegen den Iran verwendet werden könnten.

Die USA besitzen die GBU-57 MOP (Massive Ordnance Penetrator), eine präzisionsgelenkte bunkerbrechende Bombe mit einem Gewicht von mehr als 13,5 Tonnen, die bei den Bombern wie die B-2 und B-52 eingesetzt wird. Die Durchschlagskraft von GBU-57 soll bis zu 60 Meter und bei einem Felsboden bis 40 Meter ausmachen. US-Experten zufolge könnte die Anlage in Fordu mindestens 80 Meter tief liegen. Selbst Befürworter einer Luftoperation haben Zweifel, dass die Urananreicherungsanlage zerstört werden kann. Es werden zwar verschiedene Konzepte von Doppelangriffen auf ein und dasselbe Ziel mit präzisen Lenkwaffen erörtert. Dennoch sind die Erfolgsaussichten fraglich, denn der innere Aufbau des Komplexes in Fordu ist nicht genau bekannt. Deswegen kann der massive Luftangriff auf Fordu bestenfalls die Ausgänge, das Energieversorgungssystem blockieren und die Transportinfrastruktur vernichten. Dafür würden präzisionsgelenkte Bomben und Tomahawk-Marschflugkörper ausreichen.

Um etwas Größeres zu erreichen, muss man entweder viel Glück haben, taktische nukleare Waffen einsetzen oder eine Sondereinsatzgruppe zum Objekt schicken. Der Einsatz taktischer Atomwaffen würde die Anlage in Fordu zwar zerstören, aber eben so viel Schwierigkeiten bereiten – sowohl technischer Natur, als auch bei der „großen Strategie“.

Der Sondereinsatz ist ebenfalls eine chaotische Erscheinung. Man weiß nie genau, wie das Ergebnis aussehen wird. Für einen groß angelegten Ablenkungsangriff sind entsprechende Kampfmittel vonnöten. Einen garantierten Erfolg ermöglichen nur nukleare Tornistersprengladungen. Ob aber das Ziel die Mittel rechtfertigt, ist fraglich.

Schwere Aufgabe

 

Das ergibt ein interessantes Bild. Die Bodenoperation gegen den Iran ist kaum zu erwarten. Massive Luftangriffe können zwar das Industriepotential der Iraner zerstören, aber zu keiner endgültigen Lösung des Atomstreits führen. Ein groß angelegter Luftangriff kann Teheran bei seinem Atomprojekt bremsen. In diesem Sinne kann eine Operation als erfolgreich bezeichnet werden. Doch es ist viel schwieriger, grobe Gewalt bei der Einmischung in die inneren Angelegenheiten einer Regionalmacht auszuüben. Doch man kann eines feststellen: Die Operation wird negative Konsequenzen haben. Dem ohnehin labilen Nahen Osten würde ein Schlag versetzt, der die Lage noch verschlimmern kann. Danach werden die wieder mutig gewordenenen Radikalen sowohl konservative Monarchien des Persischen Golfes (wegen ihrer proamerikanischen Position), letzte säkulare Regimes des Nahen Ostens (Syrien, Jordanien, Kuwait) als auch schwache Übergangsregierungen der revolutionären Koalitionen (Ägypten, Jemen) wegfegen.

Lohnt sich ein fünf oder sechs Jahre langer Aufschub bei der Umsetzung der nuklearen Programme Teherans so einer großen Explosion in der Region, ist eine rhetorische Frage. Die USA werden es kaum schaffen, den Iran zu besiegen.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

Quelle: http://de.rian.ru

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