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05.02.2012

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Das Sittengesetz - Teil 12: Gefolgschaft dem besseren Führer

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Schwache Führer bedeuten schwache Staaten. "Die Stärke der Staaten beruht auf den großen Männern, die ihnen zur rechten Stunde geboren werden." (Friedrich der Große). Auch Jakob Burckhardt neigt dem zu: "Sprichwörtlich heißt es: Kein Mensch ist unersetzlich. – aber die wenigen, die es eben doch sind, sind groß."
Das Wesen einer großen Persönlichkeit ist es, dass ihr die geniale Kraft gegeben wurde, mit einer geradezu instinkthaften Sicherheit ein Werk zu schaffen, wie es die geschichtliche Situation erfordert, und zu dem aufgrund seiner Anlagen kein anderer berufen ist, als gerade dieser vom Schicksal Auserwählte. Das ist dann die Stunde der die Zeit erfüllenden politischen Tat des großen Staatsmannes, der einmalige Wurf eines die Welt umformenden Gedankens in Wissenschaft oder Religion oder einer sie erschütternden oder mitreißenden Dichtung, der Sieg in einer entscheidenden Schlacht. Das ist dann die schöpferische Stunde einer großen wissenschaftlichen Erkenntnis oder Entdeckung, die die Erfahrungen, Leistungen und Wünsche ganzer Generationen auswertet und vollendet.
 
Die Größe eines Volkes wird bestimmt durch die zahlen- und wertmäßige Größe der in ihm schlummernden Führungskräfte, der in ihm ruhenden großen Anlagen, aus denen das Schicksal die Höchstberufenen auslost, auswählt, deren Namen dann durch die Geschichte leuchten. Nach der Gaußschen Verteilungskurve gibt es aber in einem Volke desto mehr große Menschen, je höher der Durchschnitt liegt. "Die großen Persönlichkeiten sind die Verkörperungen, sind die Sichtbarmachung des Wesens einer Gemeinschaft. In ihnen erhält sich der Charakter ihres Volkstums, ihrer Zeit, ihrer Kulturstufe" (Gerhard Krüger).
Aus den breiten Grundschichten, gebildet von der Tüchtigkeit der namenlosen Millionen, aus der unendlich reichen Fülle dieser Erbanlagen, die den eigentlichen Reichtum unseres Volkes und unserer Art ausmachen, wachsen die großen Einzelnen empor, erhebt sich schließlich das Genie, ein Kind seiner Zeit und doch anders als sie, hinausgewachsen über sie und immer wieder in sie hineinstrahlend. Sie sind damit auch leuchtendes Vorbild für die Zukunft, auch dann, wenn sie – wie fast immer – nicht vollkommen sind, sondern auch ihre kleinen Fehler und Schwächen haben.
 
Und nicht nur hinsichtlich der allgemeinen Begabungshöhe und der herausragenden Spitze hängen Durchschnitt und Führungspersönlichkeit zusammen, sondern auch bei ihrem Zusammenwirken für das gemeinsame Werk, wie Friedrich Rückert vor Augen stellt: "Stell dich in Reih und Glied, das Ganze zu verstärken, mag auch, wers Ganze sieht, dich nicht darin bemerken. Das Ganze wirkt, und du bist drin mit deinen Werken." Das Ausströmen von Kraft in die Gemeinschaft und Rückstrom der Kraft auf den Einzelnen finden wir im Idealfall. Dazu gehört einmal, dass der Führer innerlich für das einsteht, was er sagt: "Mit einem Herren steht es gut, der, was er befohlen, selber tut." (Goethe). Man muss vom Grundsätzlichen her bereit sein, dasselbe zu tun, was man dem Geführten befiehlt. Falls die Geführten das Gefühl haben, es wird Unmögliches verlangt, kann dem Resignation, Aufbegehren und Autoritätsverlust des Führers folgen. Wenn der Führer selbst der Meinung ist, eine Aufgabe sei undurchführbar, darf er sie nicht befehlen. "Große Leistungen in Krieg und Frieden entstehen nur in unerschütterlicher Kampfgemeinschaft von Führer und Truppe", so hieß es in den "Pflichten des deutschen Soldaten" im 2. Weltkrieg.
 
Damit ist die Kameradschaft angesprochen, die innerhalb einer Einheit gegeben sein muss, wenn sie Erfolg haben will. Die Kameradschaft ist besonders in Not und Gefahr einer Kampfgemeinschaft unentbehrlich. Im Frieden zeigt sie sich bei Kameraden einer Bergsteigergruppe in Bergnot, bei Knappheit von Essen im Teilen, beim Löschzug einer Feuerwehr in einem brennenden Haus, im Kriege beim Retten des verwundeten Kameraden unter Einsatz des eigenen Lebens aus der Feuerlinie. Das gegenseitige seelische Stützen gehört dazu. Auch der Führer muss vorbildlicher Kamerad sein und sich ebenso unbedingt für sein Gefolge einsetzen, wie es das Gefolge für ihn tut. Dabei ist Kameradschaft nicht mit Verbrüderung zu verwechseln. Kameradschaft verbietet auch, aus Sympathie für einige aus der Gefolgschaft anderen gegenüber ungerecht zu sein.
 
Selbstbeherrschung in Notlagen, Herausreißen aus Verzweiflung in schwierigen Situationen, das kennzeichnet den wahren Führer. Da neben Gleichmut auch Verschwiegenheit zu den vom Führer benötigten Eigenschaften gehören, finden sich solche ebenso unter den stillen und charakterlich Tüchtigen (vielleicht sogar noch eher als unter den auf Anhieb Auffälligen, wie das Beispiel Moltke zeigt). Bei der Führerauswahl ist auf folgenden Grundsatz aus den "Pflichten des deutschen Soldaten" zu achten: "Gehorsam ist die Grundlage der Wehrmacht, Vertrauen die Grundlage des Gehorsams. Soldatisches Führertum beruht auf Verantwortungsfreude, überlegenem Können und unermüdlicher Fürsorge."
 
Dementsprechend hieß es in der "Ausbildungsvorschrift für die Infanterie" in der Wehrmacht: "Führer ist, wer durch Können, Haltung und Gesinnung die Truppe zur Gefolgschaft zwingt. Der Führer muss mit seiner Mannschaft leben, mit ihr Gefahren und Entbehrungen, Freud und Leid teilen. Er muss den Weg zum Herzen seiner Untergebenen finden, ihr Vertrauen durch Verständnis für ihr Fühlen und Denken sowie durch nie rastende Fürsorge erwecken. Wer das Vertrauen seiner Truppe besitzt, wem das Herz seiner Leute entgegenschlägt, der kann auch unerbittlich hart in seinen Forderungen sein."
 
Rangordnung gibt es nicht erst bei Menschen, sondern z. B. schon auf dem Hühnerhof bei den Hennen, und so auch bei vielen in Gruppen lebenden Säugetieren. Der Grund hierfür ist, dass durch eine Rangordnung Streitigkeiten und Auseinandersetzungen um Kleinigkeiten vermieden werden; in Frage gestellt wird der Rang eines Höheren nur im Abstand von jeweils einigen Monaten, sodass es keine ständigen Streitigkeiten gibt, die zum Zerfall der ganzen Gruppe und Unaufmerksamkeit gegenüber Fressfeinden führen müssten. Ferner lernen die Lebewesen nur von Ranghöheren, sodass dadurch Erfahrungen weitergegeben werden können. Die ganze Gruppe hat mit Rücksicht darauf bessere Durchsetzungsmöglichkeiten gegenüber anderen Gruppen.
 
Auch wir bejahen deshalb die Rangordnung. Am Vorbild einer Persönlichkeit, der Persönlichkeit des Führers, wächst die Persönlichkeit des Gefolgsmannes, wenn jener diesen richtig behandelt. Gegen die lebensfeindliche Gleichmacherei setzen wir die Anerkennung der Verschiedenheit. Da jeder Mensch dem anderen ungleich ist (selbst eineiige Zwillinge sind – wenn auch geringfügig – unterschiedlich), sind deshalb auch Menschen besser oder schlechter zum Führen geeignet, und wir unterstellen uns in dieser Küre der Leitung durch einen besseren Führer.
 
Führer sein, ist nicht nur ein Vorrecht, es ist auch eine Vorpflicht. Führer sein heißt, die Verantwortung für die Geführten tragen. Diese Verantwortung lastet besonders im Kriege schwer, wenn jeder Befehl das Leben von Untergebenen kosten kann.
 
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