19.01.2010
Der Liberalismus stellt das Individuum, seine Interessen, Bedürfnisse und Rechte in den Mittelpunkt der politischen Betrachtung und betont seine Vorrangigkeit vor der Gemeinschaft. Das Individuum ist Selbstzweck, Träger vorgemeinschaftlicher (Grund-) Rechte, und seine allseitige Entfaltung ist das höchste Lebensziel. Der Staat ist hierbei lediglich Plattform und Hilfsmittel zum Erreichen dieses Zieles. Der fundamentale Wert ist also der einzelne Mensch.
Im Gegensatz dazu sind für uns Nationalisten die Völker und Kulturen die zentralen Werte. Die liberale Gesinnung kennt den Begriff "Volk" als biologisch-kulturgeschichtliche Gemeinschaft nicht, für sie gibt es nur die Gesellschaft als Summe aller darin lebenden Individuen. Man ist immer zunächst "Mensch", und dann, wie zufällig, Angehöriger eines bestimmten Volkes und einer Kultur. Nationalisten betrachten jedoch die Menschheit nur als Gesamtheit der einzelnen Kulturen und Volksgemeinschaften, die durch ihr jeweiliges nationales, kulturelles und historisches Erbe bestimmt sind. Der Einzelmensch besteht nach nationaler Auffassung nur in der Verbindung mit den Gemeinschaften, in die er eingeschlossen ist. Jede individuelle Tätigkeit stellt einen Akt der Teilnahme am Leben eines Volkes dar. Dem Interesse des Einzelnen kommt "an sich" keine Wertschätzung zu. Dies wurde einmal auf die griffige Formel gebracht: "Du bist nichts, Dein Volk ist alles!"
Nach Benoist handelt ein Volk richtig, wenn es sich seiner kulturellen und geschichtlichen Herkunft bewußt bleibt, sich um einen - persönlichen oder symbolischen - Mittler schart, der fähig ist, seine Energien zusammenzufassen und als Beschleuniger des Schicksalswillens zu dienen und außerdem den Mut bewahrt, seine Feinde zu bezeichnen. Keine dieser Bedingungen wird von einer liberalen Gesellschaft erfüllt, die das historische Gedächtnis auslöscht, alles Erhabene vernichtet sowie keinen Feind sehen will, ja sogar glaubt, dass es möglich ist, keinen zu haben.
Wie bewirkt nun der Liberalismus die Auflösung der Gemeinschaft?
Dies gelingt ihm zunächst durch die Bestärkung des Sinn-Verlustes. Sinn ist ein Gruppenbegriff, der aus der Wahrnehmung von Werten entsteht, die man mit anderen, mit GleichgeSINNten teilt. Der Liberalismus betont das Einzelne, Subjektive zum Schaden der gemeinsam errungen Werte, die allein eine gestaltende Kraft haben. Die Bindung geht verloren, weil die Gemeinsamkeit fehlt. Was können wohl liberale Gesellschaften gemeinsam glauben, wenn sie einerseits dem Kollektiv keine Bedeutung beimessen und andererseits nicht wissen, was mit einem Glauben überhaupt anzufangen ist, abgesehen einmal vom Glauben an den "homo oeconomicus"?
Die Auflösung wird außerdem durch die Aushöhlung der historischen Dimension des Volkes geschaffen. Ein Bewußtsein von Erbe und Zugehörigkeit kann man sich nur kollektiv aneignen. Wenn aber die Erinnerung ausgelöscht wird, kommt dies einem Ausstieg aus der Geschichte gleich. Die Förderung der Geschichtslosigkeit, das verbreitete Nicht-Wissen um die eigenen Wurzeln ist die beste Voraussetzung für das Heranwachsen von bindungslosen Individualisten und Egoisten. Genau dies aber will der Liberalismus. Er will die Menschen auf die persönliche Daseinsvorsorge beschränken. Indem er ihnen nicht gestattet, ins Über-Individuelle zu wachsen, nivelliert er sie nach unten. Er sichert ihnen die Existenzmittel, aber raubt ihnen den Sinn des Lebens.
Individualistisch orientiert ist auch der Freiheitsbegriff des Liberalismus. Die persönliche Freiheit wird höher bewertet als die kollektive, die es einem Volk erlaubt, gemäß seinen Eigenarten zu leben. Ins Groteske kann sich dies steigern, wenn es einem Volk gar nicht mehr ins Bewußtsein gelangt, dass es bevormundet wird, sein Land besetzt ist, sein Schicksal von anderen Mächten bestimmt wird. Oder schlimmer noch, wenn das Wissen da ist, aber ignoriert oder gar beschönigt wird, wenn z. B. Besatzer in "Schutzmächte" umgelogen werden.
Rationalismus und Fortschrittsglaube
In der Tradition von Kant betont der Liberalismus die absolute Vorrangstellung der Vernunft. Er richtet sich nach dem Prinzip des rein Nützlichen aus, was zur Konsequenz hat, daß er alle Überlieferungen, alle organischen Instanzen und ererbten Bindungen zu beseitigen trachtet, da sie der zukünftigen rationalen Gesellschaftsordnung im Wege stehen.
Die Folge hiervon ist der Gleichheitswahn, (Egalitarismus) da alle Unterschiede und Ungleichheiten beseitigt werden müssen, um an den Menschen an sich heranzukommen, der von allen Attributen befreit sein muß, die nicht der gemeinsamen "Menschlichkeit" entspringen. Das Vernunftdenken führt den Liberalismus darüber hinaus zur Vorstellung einer "natürlichen Ordnung", nach deren Muster die menschliche Gesellschaft zu gestalten wäre.
Ein Ausfluß dieser Denkweise ist ebenfalls die vehement vertretene Fortschrittsideologie, die Überzeugung, daß die Geschichte auf einen allgemeinen Zustand der Harmonie zustrebt.
Der Nationalismus dagegen versucht, über die vielen Untersuchungen und Erkenntnisse der verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen zu einem ganzheitlichen Weltbild zu gelangen, das nicht nur die rationalen Elemente einschließt, sondern alle Faktoren, von denen Mensch und Natur bestimmt werden, also auch Emotionen, Triebe, Instinkte. Über die Ebene des rein rational Erfahrbaren hinaus wird nach dem Wesen und dem Sinn von Dingen und Zusammenhängen gesucht. Der liberalistischen Gleichmacherei setzt eine nationale Gesinnung die Betonung der natürlichen Vielfalt und die Akzeptanz der Unterschiede entgegen. Die Geschichte ist nicht Fortschritt, sie ist kein auf einen bestimmten Zustand hin gerichteter Prozeß, sondern eine Entwicklung, die dem Wandel unterworfen und in ihrer Richtung offen ist.
Materialismus
Liberale betrachten die ökonomische Praxis als wesentlichen Ausdruck menschlichen Strebens und als bewegendes Moment historischen Geschehens. Das überragende Ziel ist Wohlstand und der höchstmögliche Lebensstandard. In diesem Denken spiegelt sich die Vorrangigkeit der materiellen Werte wider, die Effizienz wird zum einzigen Maßstab, den man an die Wirtschaft anlegt, der Erfolg wird in den Rang eines Wertes an sich erhoben. Aus dieser materialistisch geprägten Einstellung entwickelte sich das Dogma des unbegrenzten Wirtschaftswachstums, das von liberalen Politikern unbeirrbar verfochten wird. Eine einseitige Orientierung auf Konsum und materiellen Überfluß hin führt notwendigerweise zu Defiziten auf anderen Gebieten. So beobachten wir in materialistisch bestimmten Gesellschaften einen zunehmenden geistigen Notstand, die Verflachung der zwischenmenschlichen Beziehungen und um sich greifende Vereinsamung, besonders bei älteren Menschen. In einem materialistischen System spielen Geld und Erfolg die zentrale Rolle, elementare Werte wie Charakter, Pflichtbewußtsein, Idealismus und Solidarität sind hier nur von untergeordneter Bedeutung, wenn überhaupt. Überdies verzeichnen wir eine voranschreitende Standardisierung von Meinungen und Verhaltensweisen. Die von den Medien betriebene "sanfte Konditionierung" bewirkt eine breite Akzeptanz dümmlicher Modeerscheinungen und das unkritische Nachplappern der vorgegebenen Parolen und erwünschten Meinungen. Auch dies trägt zur kulturellen Krise, zu Dekadenz und Entartung bei und gefährdet in erheblichem Maße unsere Überlebenschance als Volk, da der auf einer starken Identität beruhende Selbstbehauptungswille ständig untergraben wird.
Ein ganz anderes Selbstverständnis wird vom Nationalismus vertreten. Der wirtschaftliche Wohlstand wird nicht abgelehnt, er ist aber nicht Selbstzweck, sondern dient nur als Basis für die kulturelle Höherentwicklung des Volkes. Kernziel nationaler Politik ist es, die Freiheit, das Überleben und die Entwicklung des Volkes zu sichern. Kulturelle und geistige Werte haben in jedem Fall Vorrang vor materiellen Werten, wirtschaftliche Erwägungen haben sich im Zweifelsfall den politischen unterzuordnen. In der Wirtschaft wie in jedem anderen Bereich gilt das Prinzip: "Gemeinnutz geht vor Eigennutz!"
Dies beinhaltet selbstverständlich die Bejahung staatlicher Eingriffe in das Wirtschaftsleben zum Wohle der Gemeinschaft. Nicht der Welt-Freihandel der Multi-Banken und Großkonzerne ist das Ziel nationaler Wirtschaftspolitik, sondern eine gesunde, am Bedarf orientierte Volkswirtschaft mit einem möglichst hohen Anteil der Selbstversorgung. In der ökonomischen Entwicklung müssen die Grenzen des Wachstums erkannt werden. Die Bewahrung der Ressourcen und der sorgsame, verantwortungsvolle Umgang mit der Natur und unserem Lebensraum ist ein Akt praktischer Solidarität mit den nachfolgenden Generationen, denen kein Trümmerfeld und keine Wüste hinterlassen werden darf.
Gegen die liberale One-World-Utopie setzen wir die Betonung der ethnischen Vielfalt und des Rechts aller Völker auf eine eigenständige Entwicklung.
Quelle: Franz aus Mannheim





