Eine Menschenmasse säumt die Straßen von Delitzsch. Von der Ferne hört man schon die Blaskapellen und den Trommlertakt des herannahenden Straßenzugs. Für die Menschen ist dieser Tag wieder einmal ein Tag zum Feiern. Ganz so als ob es ihnen allen doch gut ginge. Das Leben in der Demokratie kann doch so sorgenlos und bequem sein. Regelmäßig wird den Menschen ein neues Unterhaltungsprogramm geboten. Straßenumzüge und Stadtfeste hier, die Fußballweltmeisterschaft auf den Fernsehbildschirmen da und es scheint so, als ob die Menschen das Wort „Krise“ entweder nicht kennen oder für eine bestimmte Zeit aus ihren Köpfen verdrängt haben.
Wenn man auf die aktuelle finanzielle Lage der Stadt Delitzsch und überhaupt auf sämtliche Haushaltskassen von Kommunen, Bund und Ländern schaut, so fragte man sich nur, woher die Menschen ihren Optimismus haben, dass sie angesichts dieser roten Zahlen überhaupt noch feiern können. Voraussichtlich wird die Stadt Delitzsch ab dem Jahr 2011 keinen Cent mehr als Eigenkapital aufbringen können. Ein Darlehen von 300.000€ an den insolventen Handballverein Concordia wird die Pleite der bereits schon hoch verschuldeten Stadt nochmals beschleunigen, sodass sämtliche Ausgaben der Stadt ab nächstem Jahr nur noch auf Fremdkapital beruhen, das wiederum Zins und Zinseszins fordert und die Tilgung der Gesamtschulden dabei noch unrealistischer werden lässt. Doch diese Stadt ist nicht das einzige Beispiel für die Bankrotterklärung eines ganzen Systems. Überall im Land, egal ob auf regionaler oder auf bundesweiter Ebene, hinterlassen die Demokraten einen Scherbenhaufen aus einer jahrzehntelangen Misswirtschaft.
Die ganze Zeit haben sie über ihre Verhältnisse gelebt, haben durch „Konjunkturspritzen“ und andere Ausgaben Schuldenberge auf sich geladen, zugunsten zeitlich begrenzter Blüteperioden. Nun hat sie die Realität eingeholt. Vielerorts ist kein Geld mehr da. Historische Gebäude verfallen, Kindergärten müssen schließen und die Privatisierung der Grundversorgung schreitet voran.
Gleichzeitig sorgt der Abzug des Kapitals aus den weniger rentablen Regionen Mitteldeutschlands für eine erneute „Flucht in den Westen“. Doch diesmal stellen sich den Menschen keine Mauern mehr in den Weg. Der Kapitalismus nimmt keine Rücksicht auf natürlich gewachsene und begrenzte Raumgemeinschaften, mit deren Boden die Menschen schon seit Geburt an in einer natürlichen und innigen Beziehung stehen. Junge und erfolgreiche Menschen verlassen die ausblutenden Regionen und übrig bleibt ein Heer aus Sozialhilfeempfängern und Rentnern, die nach ihrem Ableben einer nächsten Generation Platz verschaffen müssen, die aus ganz anderen Teilen der Erde herangekarrt werden wird. Ein sterbendes Volk steht dort an den Straßen und feiert seinen eigenen Untergang.
„Zustände wie im alten Rom“, heißt es im Volksmund und tatsächlich unterscheiden sich die Menschen dort am Straßenrand kaum von dem „plebs“, der schon in der spätrömischen Dekadenz, geblendet durch materiellen Wohlstand und Vergnügungssucht, den Verfallserscheinungen seiner Zeit unterlag.
Und doch gibt es einige verwegene junge Menschen in dieser Masse, die nicht in die heile Welt aus Spaßgesellschaft und Unterhaltungskultur passen, die die Köpfe der Menschen dort am Straßenrand dominiert. Ohne Vorankündigung entrollt eine Gruppe Jugendlicher zwei Transparente, dessen Botschaften den Menschen eine Mahnung sein soll. Sie laufen am Straßenrand auf und ab und schließlich reihen sie sich selbst in den Zug mit ein.
Verwundert schauen die Menschen auf die Transparente, drehen ihre Köpfe danach und eher als man glaubt hat sich das allgemeine Interesse auf die jungen Aktivisten gerichtet. Die Menschen am Straßenrand schießen Fotos und schon bald hat sich auch das erste ältere Paar, das zu der Altersgeneration gehört, die infolge des „demographischen Wandels“ schon bald die Mehrheit aller Deutschen stellen wird, den Aktivisten genähert und sie nach dem Hintergrund ihrer Aktion gefragt. Kaum glaubhaft erscheint es vielen der anwesenden Menschen auf diesem Fest, dass es tatsächlich noch junge Menschen gibt, die ihr Gesicht für ihre Heimat und ihr Volk zeigen und auch nicht verzagen werden, den Kampf um das Überleben ihres Volkes und ihrer Städte und Heimatregionen aufzunehmen.










