Spätestens seit dem 11. September 2001 weiß die halbe Welt, dass die NATO unter Führung der USA einen Völkerrechtsbruch nach dem anderen begehen. Am verheerendsten ist unter anderem der Einsatz von Uranmunition seit dem ersten Golfkrieg 1991. Damit bewirken die Alliierten einen schleichenden Genozid in den Regionen der Welt, die man am liebsten bevölkerungsleer sähe, weil dort die letzten Ölreserven dieser Welt schlummern.
Da man kein Wahlvolk dieser Welt von der Notwendigkeit solcher Strategien überzeugen kann, hält man diese mit inszenierten Terroranschlägen in einer handlungsunfähigen Angststarre, um so seine verbrecherische Politik fortführen zu können.
Die Bilder des Krieges stammen aus dem Jahr 2007, erst jetzt gingen sie um die Welt, schockierten Millionen. Fast drei Jahre nach den Todesschüssen auf Zivilisten in Bagdad hat die Online-Platform Wikileaks das Video aus der Bordkamera eines der US-Kamphubschraubers veröffentlicht. Unter den Getöteten waren zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Die US-Militärs verweigerten jahrelang die Herausgabe des Videos.
Die Besatzungen der Apache-Helikopter seien angegriffen worden und hätten sich nur verteidigt. So rechtfertigten die US-Militärbehörden die tödlichen Schüsse auf eine Gruppe von Zivilisten in Bagdad am 12. Juli 2007. Doch im Video ist kein Angriff auf die US-Soldaten zu erkennen. Stattdessen Jagdszenen wie in einem Computerspiel - mit dem Unterschied, dass es sich hier um echte Menschen handelt. Über Funk machen die Soldaten noch makabre Scherze über die Opfer am Boden. "Schaut Euch diese toten Bastarde an!", sagt ein Soldat. Ein anderer: "Nett, gut geschossen".
12 Zivilisten sterben an diesem Tag, darunter auch der Reuters-Fotograf Namir Noor-Eldeen und sein Assistent Saeed Chmagh. Die Reuters-Kamera hatten die Soldaten für eine Waffe gehalten. Als der offensichtlich unbewaffnete Helfer den zunächst verletzten Reuters-Mann in einem Kleinbus bergen will, schießen die Soldaten wieder. Später entdecken sie zwei schwerverletzte Kinder in dem Kleinbus. Der Kommentar aus dem Apache-Hubschrauber: "Selbst schuld, wenn sie ihre Kinder mit in die Schlacht nehmen."
Jahrelang drängte Reuters auf Herausgabe des Videos, berief sich dabei auf den "Freedom of Information Act" - vergebens. Dann wurde es der Online-Plattform Wikileaks zugespielt, verschlüsselt mit einem zwölfstelligen Passwort. Als das geknackt war, stellte Wikileaks das Video ins Internet. Fast sechs Millionen Menschen haben es inzwischen allein auf YouTube gesehen. Wikileaks hat es sich zur Aufgabe gemacht, immer wieder Dokumente zu veröffentlichen, die Regierungen und Unternehmen lieber geheim halten.
Kritiker werfen den Internet-Aktivisten vor, sie seien Verräter, würden Hass schüren, gar Terroristen produzieren. "Transparenz zu schaffen, wo Transparenz verweigert wird", sei ihr Motiv, sagt hingegen Daniel Schmitt, Sprecher von Wikileaks in Deutschland. Die Wahrheit muss an die Öffentlichkeit, auch wenn sie brutal ist, so sieht es Wikileaks auch im Fall des Irak-Videos. Die Identität der "anonymen Quelle" werde auf jeden Fall geschützt, so Schmitt. Zu den Motiven des Informanten sagt er: "Wir können da nur spekulieren, wie in den meisten Fällen".
Die US-Administration rechtfertigt auch heute noch das Verhalten der Hubschrauberbesatzungen. Es sein konform mit den US-Kriegsregeln, den "Rules of Engagement". Dann müsse man diese Regeln überprüfen, meint der Journalist Rick Rowley. Denn in ihnen würden zivile Opfer allzu leichtfertig in Kauf genommen. Rowley war einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf die Zivilisten am Ort des Geschehens. "Sie eröffneten das Feuer aus ihren 30-Millimeter-Bordkanonen, die enorme Zerstörungskraft haben. Die Einheimischen mussten glauben, es sei ein Raketenangriff", so Rick Rowley im Interview mit Frontal21.
US-Reporter Rick Rowley schildert tödlichen Alltag.
Das Video habe ihn geschockt, denn dass Journalisten wie die Reuters-Mitarbeiter unbegleitet vom Militär in Bagdad unterwegs waren, war Alltag für Kriegsberichterstatter. In solchen Situationen sammeln sich sofort Menschengruppen, die von ihren Problemen im Bürgerkrieg berichten, erklärt der US-Journalist. So war es offensichtlich auch bei den Reuters- Mitarbeitern. Sie waren von Zivilisten umringt, als die Soldaten aus den Hubschraubern zu schiessen begannen.
Absurde Rechtfertigung der Militärs
Die Begründungen der Militärs in der ersten Untersuchung findet Rowley deshalb beschämend. Die Reuters-Reporter hätten sich nicht als Journalisten zu erkennen gegeben. "Wie hätten sie es gegenüber den Hubschraubern auch tun sollen", fragt er. Hingegen hätten die Soldaten genauer hinschauen, verantwortlicher handeln müssen, so Rowley.
Der Wikileaks-Sprecher Daniel Schmitt erklärt die Hintergründe der Veröffentlichung des Videos aus dem Irak-Krieg. Nach Ansicht Schmitts dokumentiert das Video, wie die Soldaten "kreativ nach Lösungen" suchten, um den Angriff rechtfertigen zu können. Im Frontal21-Interview erklärt Schmitt, wie die Online-Plattform funktioniert und die Mitarbeiter von Wikileaks antreibt : "Wir versuchen dort Transparenz zu schaffen, wo die Transparenz verweigert wird".










