1945. Bomben auf Sassnitz
Sassnitz als Ausweichhafen für Flüchtlinge
Seit Anfang 1945 verstärkte die Kriegsmarine ihre Evakuierungstransporte, um die aus den Ostgebieten abgeschnittenen deutschen Flüchtlinge über die Ostsee in den vermeintlich sicheren Westen zu evakuieren. Mitte Februar 1945 wurde Sassnitz für die Flüchtlingsschiffe als Ausweichhafen für den gänzlich überlasteten Hafen in Swinemünde bestimmt. Der Sassnitzer Hafen war nicht für Schiffe mit einem Tiefgang von mehr als 6 Meter passierbar, so daß die größeren Schiffe auf Reede vor Anker gehen mußten. Aufgrund eines starken Sturmes am 28. Februar, konnte das Ausschiffen erst am 4.März wiederaufgenommen werden. Zahlreiche Flüchtlingsschiffe hatten sich dadurch auf der Sassnitzer Reede angesammelt. Weit über 44.000 Flüchtlinge befanden sich auf der Sassnitzer Reede und im Hafen, all jene Volksgenossen hatten bereits unermessliches an Not und Elend, während ihrer Flucht aus den deutschen Ostgebieten erfahren müssen. Da in Sassnitz nicht mehr ausreichend Platz für Flüchtlinge vorhanden war, wurden sie im Hafengebiet in Eisenbahnwagons untergebracht, die sie später ins Landesinnere bringen sollten.
Am Abend des 6. März begann das Massaker:
Nachts um 22 Uhr durchbrach das Heulen der Sirenen, und das Brummen von Flugzeugmotoren die nächtliche Stille der friedlichen Gemeinde. Der Himmel über Sassnitz, war mit unzähligen „Tannenbäumen“ (Leuchtfallschirme zur Zielmarkierung) hell erleuchtet. Das Surren und Pfeifen der herabfallenden Bomben dazu das Stampfen, Bersten und Grollen, verursacht durch die tausendfachen Einschläge der Bomben, verkündeten die Ankunft der Apokalyptischen Reiter in Sassnitz. Das Knattern und Krachen der Tod und Verderben bringenden Bomben schien kein Ende zunehmen. Die Gemeinde Sassnitz (ca.5400 Einwohner) überfüllt mit tausenden Flüchtlingen, Verwundeten, Greisen, Frauen, Kindern, waren dem alliierten Bombenmassaker ausgeliefert. Der Himmel über Sassnitz und dem Hafen waren feuerrot, die Ostsee blutrot gefärbt. Schreckliches wiederfuhr dort den Menschen. Berechnend warfen alliierte Bomberpiloten befehlsmäßig ihre totbringende Last auf die Flüchtlings, und Lazarettschiffe, sowie den Flüchtlingszügen ab. Magnetmienen wurden vor die Flüchtlingsschiffe geworfen um ein Entkommen unmöglich zumachen. Die Menschen liefen aus den Eisenbahnzügen, wie brennende Fackeln ins Freie. Schwammen verwundet und entkräftet in der eiskalten, blutgetränkten und mit Leichen durchsetzten Ostsee um ihr Leben. Wer noch die Kraft hatte, floh am Hafengelände den Hang hinauf um der Hölle zu entrinnen. Doch die Alliierten schossen mit den Bordkanonen ihrer Bomber und Jagdflugzeuge wie im Blutrausch auf die wehrlosen Flüchtlinge. Die Leiber der Flüchtenden zerbarsten im Kugelhagel der schweren Bord MG´s,- ihre Lebensflamme erlosch, aber ihren Drang und Sehnsucht nach Freiheit und ihre unerschütterliche Liebe zu Volk und Heimat, die konnten sie den Flüchtenden und Ermordeten nicht auslöschen- Denn jene Liebe und Sehnsucht lebt in ihnen und uns weiter fort.
Dank den Helden des Zerstörers Z28:
Der Zerstörer „Z28“ rettete am, 6. März tausenden Menschen das Leben und bewahrte Sassnitz vor einer totalen Zerstörung. Mehre Zeitzeugen aus Sassnitz berichteten, daß nach der Zerstörung der Flack-Batterie in Dwasieden, der Zerstörer Z 28 und seine heldenhaft kämpfende Besatzung verhinderte, daß Sassnitz nicht vollends zerstört wurde, und noch mehr Flüchtlinge im Bombenhagel und MG-Feuer der Alliierten ihr Leben verloren. Aus allen Rohren schießend sorgte die Besatzung dafür, daß der alliierte Bomberpulk von seinem eigentlichen Angriffskurs abgebracht wurde. Erst spät erkannten die alliierten Angreifer den Zerstörer „Z28“, dann stürzten sie sich mit geballter Kraft auf diesen. Erst mehrere Volltreffer vermochten es den Zerstörer zum „Schweigen“ zubringen. 150 Marinesoldaten des Zerstörers „Z28“ opferten ihr Leben, für die Rettung tausender Menschen .
Ergebnis des feigen alliierten Luftangriffes am 6.März 1945:
* Über 150 Lancaster-Bomber der 5.Gruppe des alliierten Bomberkommandos greifen die Sassnitz und den Hafen an.
* Weitere 41 Bomber stürzen sich mit 7 Jagdflugzeug auf die auf Reede liegende Schiffe. Es wurden in einer halben Stunde über Sassnitz 4913 Tonnen Bomben abgeworfen.
* Auf die vor Sassnitz liegenden Schiffe wurden 1737 Tonnen Bomben, darunter Luftmienen und Brandbomben, abgeworfen.
* Das Lazarettschiff „Robert Möhring“ (3344 Bruttoregistertonnen) mit noch 737 Verwundeten und Flüchtlingen an Bord, geht nach Bombenvolltreffern in Flammen auf und singt. Mehr als 350 Verwundete können nicht mehr gerettet werden und fanden den Tod.
* Das Flakschiff „Sofia“ und der Zerstörer „Z28“ sanken nach Volltreffern. Sassnitz und der Hafen brannten lichterloh. Über 150 Marinesoldaten des Zerstörers „Z 28“ fanden in der eisigen See vor Sassnitz ihren Tod.
* Weit über 700 Flüchtlinge und 500 Militärangehörige verloren bei diesen Bombenholocaust nach ihr Leben
Es wird sich wohl nie mehr genau feststellen lassen, wie viele Menschen bei diesem Bombenterror genau ums Leben kamen. Sassnitz hatte 1945 noch nicht einmal Stadtrecht sondern war eine kleine nahezu wehrlose, strukturschwache, und industriefreie kleine Gemeinde. Warum wurde so kurz vor Kriegsende Sassnitz von den Alliierten bombardiert? Weil dort deutsche Flüchtlinge und Verwundete waren?










